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vom 29.04.2019

Statt Streit: Naturschutz

In Reetze ist ein öffentlicher Weg verschwunden. Doch sta sich darüber zu streiten, hat man eine tolle Lösung gefunden

VON ROUVEN GROSS

Reetze. Wenn irgendwer jemand anderem etwas wegnimmt, dann gibt es fast immer Streit. Und nicht selten müssen Gerichte klären, wem denn nun genau wann was gehört hat. So hä e es auch in Reetze ausgehen können. Dort war irgendwann in den zurückliegenden Jahren ein öffentlicher Weg in der Feldmark Richtung Satemin nach und nach verschwunden. Ein Weg, der der Stadt Lüchow gehörte, und als das auffiel, drohte Ärger.

Bild: Andreas Mohnberg setzte sich dafür ein, den Streit um einen verschwundenen Weg nicht eskalieren zu lassen. Statt dessen schufen er und andere Engagierte einen Pflanzstreifen für das Niederwild in der Reetzer Feldmark. Aufn.: R. Groß

Doch der blieb aus. Weil man miteinander redete und eine Lösung fand, bei der es nur Gewinner gibt. Einschließlich der Natur. „Das Theater war groß“ „Das Theater war groß“, berichtet Andreas Mohnberg. Er sitzt für die SPD im Lüchower Stadtrat und ist Ortsvertrauensmann für Reetze. Weil er dort geboren wurde und aufwuchs. „Es hieß, der Weg müsse wieder hergestellt werden“, so Mohnberg.

Doch schnell sei klargeworden, dass das „überhaupt keinen Sinn“ ergeben würde: Der Weg war eh schon immer eine Sackgasse gewesen, er erschloss einstmals Felder, die damals verschiedenen Landwirten gehörten, heute aber eine einzige große Ackerfläche bilden. Doch da die Stadt nicht einfach auf ihre Fläche verzichten konnte – schließlich war sie unrechtmäßig unter den Pflug gekommen, setzte sich Mohnberg mit den Landwirten zusammen, mit dem Jagdpächter, mit der Stadt und der Verwaltung. „Um eben zu verhindern, dass der Streit eskalieren würde, denn dabei hä e es nur Verlierer gegeben“, mein Mohnberg.

Ein Art Tauschgeschäft

Heraus kam schließlich eine Art Tauschgeschäft. „In Reetze gibt es einen Graben zur Entwässerung auch öffentlicher Flächen, den die Reetzer Anfang des 20. Jahrhundert selbst auf eigenen Flächen angelegt und seither unterhalten haben. Diesen Graben hat nun die Stadt übernommen, eine Fläche von insgesamt 2 400 Quadratmetern“, erklärt Mohnberg. Aber dabei beließ man es nicht: In der Feldmark, ganz in der Nähe des ehemaligen Weges, errichtete man einen Pflanzstreifen, 200 Meter lang und zehn Meter breit. „Obstbäume und eine Eiche haben wir dort gepflanzt, dazu viele Büsche, sogenannte naturnahe Feldgehölze.

Schwarzdorn etwa, Weißdorn, Holunder und ähnliche Sträucher. In den kommenden Jahren wird dort ein Rückzugsgebiet für Niederwild entstehen, für Hasen, Rebhühner, Singvögel“, betont Mohnberg, der das Projekt federführend begleitete.

Ihm sei nämlich aufgefallen, dass es solche Pflanzstreifen, wie sie früher überall die Feldmark durchzogen, gerade zwischen Reetze und Satemin so gut wie gar nicht mehr gibt. „Was hier jetzt wächst, wollen wir in den nächsten Jahren weiterentwickeln zu einem Habitatverbundsystem, das später einmal sogar über den Jeetzeler Berg reichen soll und Tieren die Möglichkeit bieten wird, geschützt von einem Einstand in den anderen zu wechseln.“

Habitatverbundsystem geplant

Unterstützung erhält Mohnberg dabei vom Jagdpächter des Reetzer Reviers und den Landwirten, die in der Region dort wirtschaften. Und vom Naturschutz: Günther Nemetschek holte er mit an Bord, wie er Stadtratsmitglied, Jäger und auf Kreisebene einer von zwei Beauftragten für den Natur- und Landschaftsschutz. Auch die Landesjägerschaft Niedersachsen als eingetragener Naturschutzverband hat Hilfe zugesagt, will bei der nächsten Stufe, der bereits geplanten Ausweitung des Pflanzstreifens, einen Teil der Kosten übernehmen. „Eine rundum runde Sache“, freut sich Mohnberg. „Normalerweise wäre die Angelegenheit vor Gericht gelandet. So ist etwas daraus geworden, das allen nützt“, findet der Ortsvertrauensmann.

Ein Beispiel dafür, wie es auch gehen kann. Gemeinsam. „Wenn man miteinander redet, sta übereinander“, freut sich Mohnberg. 


Bezugsquelle:

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