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vom 18.11.2019

Das Potenzial des Humusaufbaus

Agrarwissenschaftler Andreas Gattinger: Der Ackerboden ist ein Reservoir für den Klimaschutz in der Landwirtschaft

Lüchow. Wenn die gesamte landwirtschaftliche Produktion in Deutschland auf Bio umgestellt werden würde, könnte die Freisetzung von mehr als 94 Prozent der Treibhausgase (THG) aus der Landwirtschaft vermieden werden. Allerdings würde das bedeuten, dass es auch 30 Prozent weniger landwirtschaftliche Produkte gäbe. Klimaschutz in der Landwirtschaft durch eine Agrarwende sei ohne eine Ernährungswende nicht möglich. Prof. Andreas Gattinger von der Justus- Liebig Universität in Gießen wollte diese Aussagen am Freitag in Lüchow nicht als „Bauern- Bashing“ verstanden wissen. Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (ANU) referierte er über den Beitrag, den der ökologische Landbau zum Klimaschutz leisten könnte.

Gegen „Bauern-Bashing“

Gattinger, der sich selbst als Nebenerwerbslandwirt bezeichnete, verwies auf eine lange Liste von Tätigkeiten in renommierten wissenschaftlichen Einrichtungen mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft, etwa Weihenstephan. Kritik an dem Verhalten von Landwirten hält er schon deshalb für falsch, weil die in der Wachstumsökonomie gezwungen seien, Boden und Tieren immer mehr abzuverlangen, um über die Runden zu kommen.

Bild: Professor Andreas Gattinger (links) von der Justus-Liebig-Universität in Gießen sprach in Lüchow über das Klimaschutzpotenzial der Landwirtschaft. Aufmerksamer Zuhörer war Hermann Klepper von Wachstumswende Wendland. Aufn.: K.-F. Kassel

Andererseits: „der Klimawandel ist ein Fakt“. Die Zahlen, die ihn belegten, seien nicht geschätzt, sondern gemessen, meinte Gattinger. Ursächlich sind die Treibhausgase. Damit ist nicht nur CO2 gemeint, sondern auch Methan und Lachgas. Methan aus der Landwirtschaft kommt aus dem Verdauungsprozess von Wiederkäuern, Lachgas aus den Böden und vermehrt aus Düngung. Dabei ist Methan 25- mal klimawirksamer als CO2, Lachgas sogar 300-mal. Gattinger gab an, dass der Anteil der Landwirtschaft an der THGEmission in Deutschland im engeren Sinne sieben Prozent betrage. Allerdings müsse man sekundäre Wirkungen hinzu rechnen, wie etwa den Import von Soja. Dann komme man auf einen Anteil von weit mehr als 20 Prozent.

Mitverursacher und Leidtragender

Die Landwirtschaft sei dabei in einem Dilemma. Sie sei Mitverursacher und gleichzeitig Leidtragender. Die Erträge gingen durch den Klimawandel zurück. Gleichzeitig könnte sie jedoch sogar Klimaschützer sein. Bis zu 90 Prozent der aus der Landwirtschaft stammenden THG-Emissionen könnten zurückgebunden werden durch verbesserten Humusaufbau. „Der Boden ist das Schlüsselreservoir für den Klimaschutz in der Landwirtschaft,“ meint der Wissenschaftler. Er verwies auf Anbauversuche auf dem uni-eigenen Versuchshof, Testreihen in der Schweiz und Langzeitstudien.

„Keine Düngung ist auch keine Lösung“

Prof. andreas gattinger von der Justus-Liebig Universität in Gießen

Diese Untersuchungen hätten gezeigt: bis zu 500 Kilogramm Lachgas-Emissionen pro Hektar könnten vermieden werden. Dabei seinen die niedrigsten Emissionswerte bei biologisch-dynamisch bewirtschafteten Böden ermittelt worden. Die höchsten Emissionswerte gab es von Böden, die überhaupt nicht gedüngt wurden. Gattinger erklärte diese Wirkung durch Abbauprozesse im Boden. „Das heißt: keine Düngung ist auch keine Lösung,“ meinte der Professor für ökologischen Landbau.

Die höchste Bindungswirkung habe es bei einer biologischen Wirtschaftsweise mit Tierhaltung und entsprechender Düngung gegeben. Eine solche Kreislaufwirtschaft könne bis zum 3,7-fachen der heutigen konventionellen Landwirtschaft an Treibhausgasen binden.

Die Klimaschutzleistung könnte bei einer Vermeidung von 1,5 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr und Hektar liegen. Als Voraussetzung für eine Strategie zur THG-Vermeidung in der landwirtschaftlichen Produktion riet der Agrarwissenschaftler dringend, die Prozesse im Ackerboden mehr als bisher in den Blick zu nehmen.

fk


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