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vom 04.08.2018


         So gesehen


Verbittert

VON Jens Feuerriegel

Linke und alternative Lebensentwürfe und Vorstellungen bestimmen nicht selten in Lüchow-Dannenberg den politischen Diskurs.

Mit Gorleben hat sich da seit 1977 einiges verändert. Geblieben ist leider oftmals der Anspruch auf die absolute Wahrheit. Das ist ein Problem.

Reflexartig stehen bei Linken und Alternativen immer wieder der Kapitalismus und seine angeblich unmenschlichen Folgen am Pranger.

Vor einigen Wochen hatten die Systemkritiker Alberto Acosta und Niko Paech im vollbesetzten (!) Verdo Hitzacker ihre Ziele eines „Buen Vivir“, eines angeblich guten Lebens, skizziert: weniger die Natur schädigen, Ressourcen sparen, Konsum zurückfahren, Industriekomplex halbieren, nur noch Halbtagsjobs für alle, damit mehr sinnvolle Freizeit entsteht.

Angeblich mache Konsum ja auch keineswegs glücklich, durften die Referenten dort unwidersprochen behaupten. Forschungen belegen dummerweise: genau das Gegenteil.

Was damals leider keiner erwähnte, aber die logische Konsequenz aus dieser teilweise netten Utopie wäre: Man müsste die Menschen schon zu ihrem Glück zwingen und umerziehen. Denn grundsätzlich ist das Naturell der Menschen auf Wettbewerb und Wohlstand ausgerichtet. Und dieser Zwang ginge eben nur mit einem dieser Systeme, die in der Vergangenheit krachend gescheitert sind: UdSSR, DDR, Kuba. Gruselig.

All die Linken, Alternativen, Alt-68er und Systemkritiker müssen jetzt ganz tapfer sein. Denn der Soziologe und Psychologie-Professor Martin Dornes hat ein Buch geschrieben, dass linke Lebenslügen zertrümmert. „Macht der Kapitalismus depressiv?“ heißt das Buch, das die EJZ diese Woche in ihrem Magazin vorgestellt hat. Forschungsergebnisse zeigen demnach: Die Lebenszufriedenheit der Menschen in modernen, demokratisch und marktwirtschaftlich verfassten Gesellschaften westlicher Prägung sei gestiegen; das Ausmaß der Einkommensungleichheit habe kaum einen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit; es gebe keinen wesentlichen Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und psychosozialen Übeln; in modernen Gesellschaften gleiche sich vielmehr die Lebenszufriedenheit von statistisch Armen und Reichen schrittweise an; der Kapitalismus sei die einzige Wirtschaftsform, die den Massenwohlstand fördere.

Der Psychologe Dornes kommt zu einer ernüchternden Analyse aller Fans des Sozialismus: „Statt den Verlust des Ideals, die Unmöglichkeit und die Schrecken seiner Umsetzung zu betrauern, werden in einer Art posttraumatischem Verbitterungssyndrom dem Kapitalismus in immer neuen Varianten dramatische Zustände in einem dramatisch ungerechten Land angelastet“.

Lüchow-Dannenberg kommt einem gelegentlich wie eine Hochburg dafür vor.


Bezugsquelle:

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