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vom 20.03.2017

20 Hektar Blütenpracht

Gusborn will Wegeseitenränder für die Bienen wachsen lassen

VON ROUVEN GROSS

Gusborn. „Man muss handeln“, sagt Wilhelm Struck. Der Landwirt sitzt für die SOLI im Gusborner Gemeinderat und hat Großes vor. Nicht weniger als ein leuchtendes Beispiel soll die Gemeinde werden – für den Erhalt der Lebensgrundlage der Bienen. Und damit für den Erhalt der Lebensgrundlage des Menschen.

So sollen, wenn es nach dem Gusborner Gemeinderat geht, bald alle Wegeseitenränder in der Gemeinde aussehen: blühende Oasen für Bienen und andere Insekten. Aufn.: R. Groß

 „Sterben die Bienen, stirbt der Mensch nur vier Jahre später“, greift Struck an diesem Abend im Gasthaus „Jägerhof“ in Quickborn auf ein Zitat zurück, das Albert Einstein zugeschrieben wird. Die Gemeinde Gusborn müsse daher tun, was sie könne, um dem Bienensterben Einhalt zu gebieten, fordert Struck. Und der Gemeinderat folgt mehrheitlich: Künftig werden in der Gemeinde die Wegeseitenränder erst im Oktober gemäht.

Gemäht, wohlgemerkt, nicht gemulcht. So lange soll dort wachsen, was immer dort wachsen will. Vor allem Blütenpflanzen, hofft der Gemeinderat.

Für die Bienen. Rund 95 Kilometer Wege und Straßen gehören der Gemeinde. Das heißt: Rund 20 Hektar Blütenpracht könnten schon in diesem Jahr den Bienen und anderen Insekten, aber auch Kleintieren das Leben erleichtern. Fünf der elf Ratsleute sprechen sich dafür aus, drei dagegen, der Rest enthält sich.

„Ich mache ungern Verbote“, begründet der stellvertretende Bürgermeister Timo Burmester (FWGG) seine Ablehnung, und Bürgermeister Hartmut Ringel (FWGG) stellt heraus, dass sicherlich niemand mutwillig die Seitenränder der Wege zerstöre, genau wie niemand absichtlich Bienen umbringe oder Bäume kaputt mache. Und auch sein anderer Stellvertreter, Thomas Fahren (FWGG) ist gegen ein generelles Mähverbot bis Oktober: „Wir sollten reagieren, wenn wir Fehlverhalten bemerken“, fordert er. Aber sich jetzt selbst Fristen zu setzen, halte er doch für übertrieben. Vergeblich: Es findet sich eine Mehrheit für den Blühstreifen-Vorschlag, und Gusborns Weg ist frei, eine bienenfreundliche Kommune zu werden. Die erste Lüchow-Dannenbergs, wenn nicht sogar in ganz Niedersachsen.

Eine Nachricht, die auch Marco Otte freut. Der Imker ist Mitglied im Vorstand des Lüchow- Dannenberger Imkervereins und kämpft seit Jahren gegen die Verarmung der Landschaft – gegen Monokulturen auf Feldern, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und für ein Mehr an Blühpflanzen auf den Feldern. „Das ist grundsätzlich erst einmal ein guter Beschluss“, sagt der Imkermeister.

„Und wichtig – denn er könnte Signalwirkung haben“, hofft er, dass sich noch weitere Kommunen dem Gusborner Weg anschließen.

Allerdings reiche vielerorts ein einfaches Stehenlassen der Pflanzen an den Wegen nicht mehr aus, fürchtet Otte. „Da, wo über Jahrzehnte durch intensive Bewirtschaftung nur noch Gräser am Wegrand wachsen, da blüht auch nichts, wenn man nicht mäht“, fürchtet er. Zumindest nicht kurzfristig. Da müsse man möglicherweise nachhelfen und entsprechende Sämereien ausbringen.

15 Prozent der Gusborner Wegeseitenränder sollen übrigens doch bereits im Sommer gemäht werden. Damit dort Platz ist für die sogenannten Spätblüher, Pflanzen also, die erst im Spätsommer und Herbst in Blüte stehen, wenn es für Bienen und andere Insekten immer schwerer wird, Nahrung zu finden. „Auch sinnvoll“, sagt Marco Otte. „Aber alles ist besser als ein Weiter so.“

Ob das Stehenlassen der Pflanzen auf den Gusborner Wegeseitenrändern wirklich Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Aber selbst wenn nicht, hat man doch eines erreicht: Man hat darüber gesprochen, sich mit dem Problem der sterbenden Bienen befasst. Keine Selbstverständlichkeit, auch wenn mittlerweile klar ist, dass das Sterben der Bienen für den Menschen zum Problem wird. Früher oder später – aber auf jeden Fall gravierend.

 


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