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vom 14.01.2015

Großflächig Fakten geschaffen

Illegaler Grünlandumbruch beschäftigt die Natuschutz-Behörde des Landkreises

rg Lüchow-Dannenberg. Wenn ein Landwirt Grünland, also etwa Wiesen oder Weiden, in Ackerland umwandeln will, dann ist das nicht ohne Weiteres möglich. Er muss sich dafür eine Genehmigung holen - und eine solche zu bekommen ist ausgesprochen schwierig. Grünland nämlich ist geschützt, weil es eine wichtige Rolle im Natur- und Klimaschutz spielt. Nun gab es zwischen Weihnachten und Neujahr 2014 ein kurzes Zeitfenster, in dem es aus gesetzgebungstechnischen Gründen keiner Genehmigung bedurfte, um Wiesen umzupflügen. Und dieses kleine Zeitfenster nutzten auch in Lüchow-Dannenberg zahlreiche Landwirte aus, um Fakten zu schaffen. Zumeist legal und vollkommen korrekt, doch einige schossen mit dem Pflug über das Ziel hinaus: Sie pflügten Wiesen um, die in sogenannten Flora-Fauna-Habitat-Gebieten liegen. Ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht. Ein Verstoß, der die betroffenen Landwirte teuer zu stehen kommen dürfte.

Bild: Wie hier im Südkreis sind zwischen Weihnachten und Neujahr hektarweise Wiesen umgepflügt worden - aus ihnen wurden so Ackerflächen. Und nicht überall war das zulässig. Die Naturschutzbehörde ermittelt.

Ein solcher Fall ist beim Landkreis bereits bekannt. Dort, bei der unteren Naturschutzbehörde, bestätigt man, dass nahe einer Südkreisortschaft mehrere Hektar Flora-Fauna-Habitat-Grünlandflächen illegalerweise unter den Pflug gekommen sind. "Der Fall ist hier anhängig, wir sind da dran", sagt Franz Guckeisen, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Kreishaus. Aufmerksam gemacht auf den Verstoß wurde der Landkreis von Mitgliedern der ANU, der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz.

Dort schätzt man die im Bereich Püggen-Bussau illegal umgepflügte Fläche auf rund 20 Hektar. „Es sind mehrere Wiesen zwischen einem Wirtschaftsweg und einem Waldstück", erläutert ANU-Mitglied Hermann Klepper, der auch für die SOLI im Lüchow-Dannenberger Kreistag sitzt. Die Gedankenlosigkeit, mit der dort vorgegangen wurde, mache ihn betroffen, sagt Klepper. Auch wenn er dem Landwirt keine Absicht unterstellen wolle, sei es schon „ärgerlich und bedenklich, wie hier mit so wichtigen Naturschutzflächen umgegangen wird".

Grünland, betont Klepper, sei nämlich nicht nur wichtig für die Artenvielfalt und für den Klimaschutz, sondern biete auch einen Erholungswert für den Menschen. „Es ist doch etwas anderes, ob ich an einer grünen Wiese mit Blumen vorbeigehe, oder ob da ein Feld voller Mais steht", meint der Umweltaktivist. Ähnlich sieht es auch das Umweltbundesamt. Dort bezeichnet man das Grünland als „ökologisch wertvolles Element in der Agrarlandschaft und unverzichtbaren Bestandteil einer multifunktionalen Landwirtschaft". Grünland, also Wiesen, Weiden, würden die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten beherbergen und seien so unverzichtbar für die Artenvielfalt, die sogenannte Biodiversität. Viele Tier- und Pflanzenarten kämen ausschließlich auf Grünlandvor.

Zudem binde Grünland durch seine ganzjährige Vegetation viel Wasser im Boden, das auf unbestelltem Ackerland einfach verdunsten würde. Und nicht zuletzt binde der große Humusanteil im Grünlandboden große Mengen CO2, womit die Flächen ganz erheblich zum Klimaschutz beitragen würden, heißt es aus dem Umwelt-Bundesamt. „Ein Umbruch von Grünland stellt dementsprechend eine Belastung der Hydrosphäre .und der Atmosphäre dar", so ein Sprecher. Wie viele Hektar Grünland zwischen Weihnachten und Neujahr in Lüchow-Dannenberg umgebrochen wurden, ist derzeit noch unklar. Genaue Zahlen werde es erst mit der Meldung der Flächen an die Landwirtschaftskammer im kommenden Frühjahr geben, heißt es von Behördenseite. Doch klar ist: Es kam eine Menge Grünland unter den Pflug. Allein im Kreishaus seien ein halbes Dutzend Fälle bekannt, wo große Flächen im zweistelligen Hektarbereich umgebrochen wurden, heißt es aus dem Kreishaus. Legal. Ob noch weitere Flächen illegal - weil in Schutzgebieten liegend - umgepflügt wurden, werde derzeit geprüft. Die umgebrochenen Wiesen ' im Südkreis müssen nun aller Wahrscheinlichkeit nach wieder als Wiesen hergestellt werden. Das heißt: Sie werden begradigt, planiert und mit Wiesenpflanzen-Saatgut bestückt. Die Kosten dafür trägt der Landwirt, der den Umbruch zu verantworten hat. Und die Kosten können je Hektar schon mal einen vierstelligen Betrag erreichen.

 


Keine Vorverurteilung, bitte!

Ein Kommentar von Rouven Groß

Man mag das, was da im Südkreis geschehen ist, für verwerflich halten.

Ein Rechtsbruch war der illegale Grünlandumbruch allemal.

Doch wer hier gleich Absicht unterstellt, wie es sicherlich beim Umpflügen von Wegeseitenrändern der Fall ist, könnte zu kurz springen. Es ist leicht, den Überblick zu verlieren bei all den Schutzgebieten und Vorschriften, die das landwirtschaftliche Arbeiten gerade in Lüchow-Dannenberg reglementieren.

Wer nun gleich Boshaftigkeit hinter den Grünlandumbrüchen vermutet, der ist vermutlich dem Feindbild verfallen, das viele Naturschützer vom konventionellen Landwirt mit seinen Monokulturen, seinem genetisch veränderten Saatgut und seinen Massentierhaltungen zeichnen. Nicht selten zu Recht, deutlich häufiger jedoch zu Unrecht. Und fast immer verkennend, dass die heutige Landwirtschaft, egal ob bio oder konventionell, so arbeitet, wie es der Kunde, der Verbraucher, einfordert. Egal, ob an der Fleischtheke, im Milchregal, beim Bäcker oder an der Steckdose.

Bezugsquelle:

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