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vom 19.01.2014

Die »Landnahme» im Visier

Umweltschützer wollen stärker gegen das Umpflügen von Wegeseitenrändern vorgehen - Bauernverband spricht von »schwarzen Schafen»

rg Clenze. Dass dort am Ortsrand von Clenze etwas nicht stimmt, sieht man sofort. Dort, wo eigentlich ein mehr als zwei Meter breiter Wegeseitenrand sein sollte, ist die Krume umgebrochen, sodass der Acker nun erst direkt am Radweg endet.

Teilweise wurde sogar bis in das Fundament des Weges hineingepflügt, Teile des Untergrundes aus Mineralgemisch und Steinen liegen auf der dunklen Erde. »Das ist eine Dreistigkeit, die ihresgleichen sucht», sagt Hermann Klepper und zeigt auf eine Karte, die deutlich darstellt, dass sich dort, wo nun geackert wird, eigentlich ein mehr als zwei Meter breiter und gut 150 Meter langer Grünstreifen befinden müsste. Ein Grünstreifen, der der Allgemeinheit gehört. Und der, so Klepper, eine wichtige Aufgabe erfüllt. »Diese Grünstreifen bilden einen Lebensraum für Insekten und Kleintiere», erklärt der Umweltschützer, der sich seit Jahren gegen die von ihm so bezeichnete »landwirtschaftliche Landnahme» auf Kosten der Allgemeinheit und der Umwelt engagiert. Ein Kampf gegen Windmühlen, denn obwohl das Problem seit Langem bekannt und publik ist, geschieht so gut wie gar nichts.

Auch im Kreishaus in Lüchow ist das Umpflügen von Wegen und Wegeseitenrändern trotz aller Unkenrufe aus Umweltschützerkreisen »ein großes Thema», sagt Baudezernentin Maria Schaaf. »Das Problem ist bekannt, und wir arbeiten auch daran, Möglichkeiten zu schaffen, es in den Griff zu bekommen», betont sie. Doch dieses Anliegen stelle die Kreisverwaltung vor große Probleme: Es fehlen die personellen Kapazitäten, um den enormen Bestand an Daten zu sichten und zu vergleichen, wo welche Wege und welche Seitenränder sein sollten, und wo sie unter den Pflug gekommen sind. »Der Bestand ist so groß - das können wir mit unseren personellen Ressourcen nicht abarbeiten», sagt Schaaf. Doch sie sei optimistisch, in Zukunft auch dieses Problem angehen zu können. Auch mit Hilfe neuer, digitaler Karten.

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Ganz im Gegenteil: Es werde immer schlimmer, sagt Klepper. »Es verschwinden ganze Wege, Seitenränder werden immer schmaler, die Äcker dehnen sich aus», meint Hermann Klepper. Mit anderen ist er seit einiger Zeit in einem Arbeitskreis organisiert, der solche Fälle dokumentiert, in Kontakt steht mit Umweltschutzorganisationen, aber auch mit der Kommunalpolitik und den Behörden. »Doch erreicht haben wir bislang wenig», sagt er. »Das Problem wird totgeschwiegen, es ist fast so, als ob man es bei den Behörden und in den Räten einfach nicht sehen will», ärgert sich Klepper, der selbst in der Kommunalpolitik aktiv ist, für die SOLI im Kreistag sitzt. Dabei sei die Landnahme alles andere als eine Bagatelle. »Nicht nur, dass sich damit Einzelne auf Kosten der Allgemeinheit bereichern, sie richten auch einen großen ökologischen Schaden an», betont Klepper. Die Grünstreifen an den Straßen und Wegen seien nämlich ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere, die in der Agrarlandschaft sonst kaum noch Platz fänden. Tiere, die auch für die Landwirtschaft wichtig seien, etwa Insekten, die bei der Bestäubung der Ackerpflanzen die zentrale Rolle spielen, ohne die es keine Ernte gäbe, ohne die Landwirtschaft nicht funktionieren, ohne die die Versorgung der Menschen mit Nahrung nicht gewährleistet werden könne, so Klepper.

Diese Vorwürfe sind Lüchow-Dannenbergs Kreislandwirt Adolf Tebel nicht unbekannt. Ganz im Gegenteil. »Das ist schon lange ein Thema, und ich würde mich unglaubwürdig machen, wenn ich sagen würde, dass so etwas nicht passiert», sagt der Landwirt aus Prezier. Aber davon, dass es, wie Klepper und seine Mitstreiter behaupten, im-mer schlimmer werde, will er nichts wissen. »Es gibt diese Einzelfälle, aber das ist es dann auch schon», betont der Bauernverbandsfunktionär. Und es stecke nicht einmal immer Absicht dahinter, so Tebel. »Wenn wir als Verband oder auch die Gemeinden so etwas mitbekommen und die Kollegen dann darauf ansprechen, stoßen wir fast immer auf offene Ohren, und das, was unrechtmäßig umgepflügt wurde, wird dann im nächsten Jahr wieder stehen gelassen», berichtet der Kreislandwirt.

Aber Adolf Tebel weiß auch, dass es nicht immer ein Versehen ist, wenn Wegeseitenränder oder auch mal ganze Wege unter den Pflugscharen verschwinden. »Es gibt auch bei uns schwarze Schafe», bedauert der Landwirt. Und die sollten auch von den Kommunen gezielt angesprochen werden - wenn, ja wenn es eindeutig nachgewiesen sei, dass sie sich der unerlaubten Landnahme schuldig gemacht hätten. Doch dieser Nachweis ist schwierig, sagt Tebel. »Das Vermessen ist aufwändig, und nicht immer sind die Fälle so eindeutig wie dort bei Clenze», glaubt der Kreislandwirt. Und man dürfe auch nicht außer Acht lassen, dass Landwirte häufig nicht nur eigens Blühstreifen auf ihren Äckern anlegen, sondern oftmals auch durch breiten und ausladenden Busch- und Baumbestand Teile ihrer Äcker gar nicht oder nur schlecht bewirtschaften können. »Es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird», meint Tebel. Und das Problem der schwindenden Bienen-Population allein den Landwirten in die Schuhe zu schieben, sei sicherlich »deutlich zu kurz gesprungen».

Auch im Kreishaus in Lüchow ist das Umpflügen von Wegen und Wegeseitenrändern trotz aller Unkenrufe aus Umweltschützerkreisen »ein großes Thema», sagt Baudezernentin Maria Schaaf. »Das Problem ist bekannt, und wir arbeiten auch daran, Möglichkeiten zu schaffen, es in den Griff zu bekommen», betont sie. Doch dieses Anliegen stelle die Kreisverwaltung vor große Probleme: Es fehlen die personellen Kapazitäten, um den enormen Bestand an Daten zu sichten und zu vergleichen, wo welche Wege und welche Seitenränder sein sollten, und wo sie unter den Pflug gekommen sind. »Der Bestand ist so groß - das können wir mit unseren personellen Ressourcen nicht abarbeiten», sagt Schaaf. Doch sie sei optimistisch, in Zukunft auch dieses Problem angehen zu können. Auch mit Hilfe neuer, digitaler Karten.

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