Blühstreifen statt Blühäcker

ANU kann Begrenzung auf zehn Hektar nachvollziehen - MdL Bertholdes-Sandrock fragt Landesregierung

by Lüchow. Auf die Kritik von Kreislandwirt Adolf Tebel an den vom niedersächsischen Landwirtschaftsminister verfügten Kürzungen bei Umweltmaßnahmen (EJZ vom 9. August) haben sowohl die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (ANU) als auch die CDULandtagsabgeordneten Karin Bertholdes-Sandrock reagiert.

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Blühstreifen - wie hier an einem Maisfeld - sollen Biotope vernetzen, findet die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt. Aufn .: Ch. Beyer

Im Gegensatz zu Tebel kann die ANU die beschlossene Begrenzung der Blühstreifen auf zehn Hektar nachvollziehen, zumal sich an der Höhe der Finanzmittel nichts ändern werde. Die Begrenzung sei eine Reaktion auf die Tatsache, dass "besonders kluge Landwirte ihre gesamte Ackerflächen als Blühstreifen gemeldet und eingesät hatten". Das sei keine Landwirtschaft mehr im herkömmlichen Sinne. Bei mindestens 100 Hektar und einer Subvention aus Steuermittel von 900 Euro pro Hektar könne sich jeder ausrechnen, dass das Blühstreifenprogramm ausgenutzt wurde, gibt die ANU zu bedenken. "Dieses unkollegiale Verhalten musste zwangsläufig eine Reaktion der Landesregierung nach sich ziehen", meint ANU-Sprecher Albert Doninger.

Nach Ansicht der ANU soll das Programm dem Ziel dienen, kleinbäuerliche Betriebe zu unterstützen, Biotope zu vernetzen sowie Insekten, insbesondere Bienen, in einer nahrungsarmen Zeit mit geeigneten Saatmischungen zu fördern. "Dem Artenschwund soll entgegengesteuert werden, indem man Artenvielfalt im Tierreich fördert", betont Doninger.

Es mache keinen Sinn, riesige Flächen mit Blühmischung einzusäen. Doninger: "Für den Naturschutz wäre der richtige Weg, wirklich auch durchgängig Blühstreifen in der Landschaft anzulegen.

" Die CDU-Landtagsabgeordnete schlägt sich in der Frage des Programms "Vielfältige Ackerkulturen" auf die Seite von Kreislandwirt Tebel. Minister Meyer verspiele mit der kurzfristigen Streichung des beliebten Programms zur Förderung des heimischen Leguminosenanbaus, an dem sich viele Landwirte beteiligen wollten, nicht nur Vertrauen, sondern greife massiv in die Planungen der Landwirte ein, kritisiert Karin Bertholdes-Sandrock. Sie hat deshalb mit ihren Kollegen eine Anfrage an die Landesregierung gestellt, in der sie unter anderem wissen will, wie viele Betriebe mit wie viel Fläche und welcher zu erwartenden Fördersumme von der Streichung betroffen sind, die den Landwirten nun entgeht, und wo das eingesparte Geld bleibt.

Ebenso will sie wissen, wie hoch die Kosten für das nicht eingesetzte Saatgut sind und welcher Schaden insgesamt bei den Landwirten entstanden ist.

Vor allem soll die Landesregierung darlegen, nach welchen Kriterien Umweltmaßnahmen entwickelt werden. Das kaum eingeführte Programm sei viel zu schnell wieder zurückgezogen worden. "Ein solches Hick-Hack zeugt nicht von einer vernünftigen Umweltstrategie", unterstreicht die Abgeordnete.