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vom 04.10.2014

Baumstreit im Südkreis: "Alles Lüge"

Naturschutzbeauftrager Dr. Günther Nemetschek stinksauer - Erster Kreisrat zieht Sitzungsvorlage zurück

as Lüchow. So etwas gab es in einem Fachausschuss des Kreistages schon seit Jahren nicht mehr: Unter dem Druck der Kreistagsabgeordneten zog der Erste Kreisrat Claudius Teske eine Vorlage zurück, die der Fachdienst Kreisstraßen zum Thema Baumfällarbeiten im Winter 2013/2014 und Überprüfung der verkauften Holzmengen erstellt hatte. Der Naturschutzbeauftrage Dr. Günther Nemetschek (UWG) sprach von "gezielter Falschinformation". Und Ausschussvorsitzender Hermann Klepper (SOLI) schimpfte über das Papier: "Alles Lüge".

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Der Vorsitzende des Naturschutzausschusses des Kreistages, Hermann Klepper, hat die Sägeaktion an der Kreisstraße zwischen Jiggel und Gistenbeck dokumentiert. Von den 13 Bäumen war offensichtlich kein einziger krank.

Streitpunkt sind Baumfällarbeiten im vergangenen Winter an der Kreisstraße 6 zwischen Jiggel und Gistenbeck. Dort hatten Mitarbeiter des Bauhofes der Kreisverwaltung 13 Bäume gefällt (EJZ berichtete). In der Vorlage der Kreisstraßenmeisterin heißt es dazu wörtlich, dass "die Fällung von Bäumen an der Kreisstraße 6 im Rahmen der Baumschau festgelegt" worden sei. Ferner seien aus den gesamten Holzarbeiten 73 Raummeter Holz zusammen gekommen, die zum Preis von 17 Euro je Raummeter verkauft worden seien. So die Darstellung der Kreisstraßenmeisterin.

"So kann das nicht gehen", empörte sich Günther Nemetschek. Im Februar seien jene 13 Bäume gefällt worden, ohne dass das Baumschauprotokoll einen Hinweis enthalten habe. Daraufhin habe es im Kreishaus Anfang Mai "ein Krisengespräch" zu dem Thema gegeben, in dem von einer "Ausnahme" aus Verkehrssicherheitsgründen die Rede gewesen sein soll. "Eine Ausnahme kann nicht so eklatant ausfallen", wertete Nemetschek: "In dem Papier wird was schöngeredet." Er forderte die Rücknahme der Sitzungsvorlage.

"Hier ist nicht rechtmäßig gehandelt worden", untermauerte Hermann Klepper seinen Lügen-Vorwurf gegenüber der Kreisverwaltung. In der Baumschau im November sei im Beisein der Unteren Naturschutzbehörde lediglich der Rückschnitt von Totholz an sieben oder acht Bäumen zwischen Jiggel und Gistenbeck die Rede gewesen. Kein einziger Baum sollte gefällt werden. Anhand von Bildern, die Klepper von den gefällten Bäumen geschossen und die er während der Fachausschusssitzung gezeigt hatte, bezweifelte er, dass es sich bei der verkauften Holzmenge - allein aus dieser offensichtlich illegalen Fällaktion - um eine korrekte Angabe der Kreisverwaltung gehandelt habe. "Ohne jemandem einen konkreten Vorwurf zu machen, aber diese Zahl kann nie und nimmer stimmen", erklärte Klepper.

"Die Vorlage ist nicht korrekt", räumte Fachdienstleiter Ernst-August Schulz unumwunden ein und entschuldigte sich für die fehlerhafte Darstellung. Im Hinblick auf die Notwendigkeit von Pflegemaßnahmen an den Bäumen an jener Kreisstraße wäre das Fällen von drei Bäumen vertretbar gewesen. Schulz: "Wir kommen mit der Totholzschneiderei an Kreisstraßen gar nicht hinterher." Was die umstrittene Holzmenge angeht, unterstrich Dieter Sauter (UWG), dass wohl immer mehr Holz geschnitten werde, als tatsächlich verkauft wird. Doch bei offenbar solch erheblichen Differenzen, was die Menge angeht, die von der Verwaltung offiziell angegeben worden war und den Erfahrungen von Ausschussmitgliedern, müsse eine klarere Mengenermittlung gefunden werden. Fachdienstleiter Schulz sagte zu, dass in Zukunft schon bei den Baumschauen im Herbst die Holzmengen durch einen Fachmann festgelegt würden: "Nicht alles, was an den Straßenbäumen geschnitten wird, ist auch Brennholz. Wir geben viel Holz an die Brauchtumsfeuer zu Ostern ab, der Rest wird geschreddert."

 

http://www.ejz.de/ejz_50_110745476-28-_Baumstreit-im-Suedkreis-Alles-Luege.html

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