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vom 04.03.2014

Baumfrevel oder Pflege?

Ärger zwischen ANU und Landkreis: Ist bei Baumfällungen an der K6 alles richtig gelaufen?

tl Jiggel. Kopfschüttelnd schauen sich Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (ANU) das Ergebnis einer Pflegemaßnahme des Landkreises an der Kreisstraße 6 zwischen Jiggel und Gistenbeck an. „Jetzt ist das Fass übergelaufen", bringt Hermann Klepper seinen Unmut zum Ausdruck. Augenscheinlich haben Bäume des Straßenabschnitts an einigen Stellen eine Kahlrasur erhalten. Zudem sind 13 Bäume gefällt worden. „Die waren völlig gesund und hatten einen guten Abstand zur Straße und anderen Bäumen", betonen Albert und Heike Doninger. Ihre Vorwürfe an die Kreisstraßenmeisterei, die für die Maßnahme verantwortlich ist und dem Landkreis untersteht, formulieren sie scharf.

 

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Ärgern sich über das Ergebnis der Baumschnittaktion an der K6 bei Jiggel: Heike Doninger (von links), Hermann Klepper und Albert Doninger von der ANU. Aufn.: T. Lieske

Erstens: Von den Fällungenstehe nichts im Protokoll der vergangenen Baumschau. Das Protokoll liegt auch der EJZ vor, darin ist lediglich von vier Bäumen die Rede, aus denen Totholz entfernt werden muss. Ernst-August Schulz, Fachdienstleiter Kreisstraßen beim Landkreis, erklärt: „Diese Maßnahme ist während der laufenden Rückschnittarbeiten als sinnvolle Entwicklungsmaßnahme angemeldet worden." Während der Baumschau sei diese Maßnahme nur angesprochen, jedoch nicht verbindlich ins Protokoll aufgenommen worden. Klepper erinnert sich an eine nachträgliche Schau: „Selbst da hatte ich den Eindruck, dass nichts abgesprochen war."

„Die Pflegearbeiten im Seitenraum der K6 dienen der Entwicklung des bestehenden Begleitgrüns, um hier eine Allee zuentwickeln", erklärt Schulz. Es gehe darum, eine Eichenallee durchzusetzen. Dafür habe der Baumbestand ausgelichtet werden müssen. Und Schulz geht noch weiter: „Der vorhandene Baumbestand ist daher auch in Zukunft weiter auszulichten."
Zweitens: Es sei kein Kreis-naturschutzbeauftragter vor den Fällungen informiert worden. Klepper bezieht sich auf einen Kreistagsbeschluss von 2009. Darin heißt es: „Sind bei Verkehrsgefährdung Baumfällungen beabsichtigt, ist der örtlich zuständige Kreisnaturschutzbeauftragte vorab zu informieren." Schulz sieht keinen Verstoß gegen den Beschluss: „Da diese Pflegemaßnahme zur Entwicklung des Begleitgrüns auch aus fachlicher Sicht der unteren Naturschutzbehörde für sinnvoll erachtet wurde und deren Um-setzung zugestimmt worden ist, liegt hier kein Verstoß vor." Es geht also nicht um Verkehrsgefährdung. Die ANU-Mitglieder betonen, dass sie nicht grundsätzlich gegen alle Baumfällungen sind. „Aber hier ist es Willkür, ja sogar Baumfrevel."

Drittens: Die Bäume seien falsch beschnitten worden. „Einige Bäume haben so große Schnittwunden, die gar nicht mehr zuwachsen können. Sie vermodern und müssen gefällt werden", ärgern sich die drei. Sie zweifeln daran, dass die Bäume fachkundig beschnitten wurden. Schulz lässt dieses Argument nicht zu: „Bestandteil der Ausbildung ist bei den Straßenwärtern auch die Gehölz-pflege, sodass sie im Rahmen ihres Tätigkeitsfeldes schon wissen, wie Bäume zu beschneiden sind oder Hecken unterhalten werden müssen."

Auch ästhetisch seien die Pflegemaßnahmen ein harter Eingriff in die Natur, finden Klepper und das Ehepaar Doninger. „Die Baumreihen an den Straßen sind doch landschaftsprägend", sagt Heike Doninger. Dem Landkreis gehe es auch darum, ein Lichtraumprofil zu entwickeln, betont Schulz, um die Straßen sicherer zu machen.

Für die Zukunft wünschen sich die Naturschützer jedoch mehr Ehrfurcht vor der Natur. „Das ist ein Erbe an die Menschheit", betonen die drei, die auch einsehen, dass „ja nicht überall schlecht geschnitten" wurde. Dennoch: Der Ärger bleibt. Klepper überlegt sogar, rechtliche Schritte zu bestreiten.

Bezugsquelle:

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