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vom 26.10.2013

Natur als Dienstleister entlasten

Der Berliner Thomas Fatheuer über „Buen Vivir", indigene Völker und Schrebergärten

tl Lüchow. Geht es nach Thomas Fatheuer, sind Bolivien und Ecuador Vorbilder für Deutschland und Europa. Nicht aus wirtschaftlicher Sicht, sondern mit ihrer Verfassung. In der ist das sogenannte „Buen Vivir", das gute Leben, verankert. Was das bedeutet, erklärte Fatheuer am Donnerstagabend auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt im Lüchower Ratskeller. Rund 50 Interessierte hörten dem Berliner, der 18 Jahre lang in Lateinamerika gelebt und gearbeitet hat, zu.

Thomas Fatheuer referierte über „Buen Vivir", das gute Leben, und lehnte seinen Vortrag darüber unter anderem an diesen Buchtitel an. 2 Aufn.: T. Lieske

Die gesellschaftliche Bewegung aus Lateinamerika sieht die Natur als Rechtssubjekt. „Bisher wird die Natur dem Menschen als Produktivkraft, als Dienstleister untergeordnet. „Buen Vivir" heißt, der Natur einen Eigenwert zu geben. Nicht fundamentalistisch, aber als Denkansatz für Interessensabwägungen", erklärte Fatheuer. Damit solle vor allem das europäische Leitmotiv Wachstum gebremst werden. „Ein Gleichgewicht soll hergestellt werden." In Ecuador gebe es eine deutlich bessere Verteilung des Reichtums auf die Bevölkerung, sogar einen besseren Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem. In Bolivien sei die Zahl der Unterernährten um zwei Drittel gesunken.

Doch um diese beiden Grundsätze zu vereinen – Schonung der Natur auf der einen Seite, Verteilung des Reichtums auf alle Menschen auf der anderen Seite –, entsteht nach Thomas Fatheuers Ansicht auf den ersten Blick ein Widerspruch. „Bolivien und Ecuador sind weiterhirt von Einnahmen durch Rohstoffabbau abhängig." Das Neue sei aber, dass der Staat eine aktivere Rolle dabei spiele und mit dem Gewinn Sozialprogramme fördere.

Also weiterhin die Bodenschätze aussaugen und verkaufen? „Moderat", lenkte Thomas Fatheuer ein. Man könne nicht alle Bodenschätze unberührt lassen, wo komme sonst das Geld für die Sozialprogramme her, bekräftigte eine Zuhörerin die These des Mannes. Generell müsse man aufpassen, dass „Buen Vivir" nicht als bloße Rhetorik im Raum stehen bleibe.„Der Begriff ändert nicht unmittelbar die Realität, aber kann Bedingungen beeinflussen, unter denen wir sie ändern wollen", sagte Fatheuer. Das eine „Buen Vivir" gebe es übrigens nicht, dafür seien die Völker zu individuell.

Und was lässt sich aus der Lebenseinstellung der indigenen Völker konkret für Deutschland ableiten, wollte ein Zuhörer wissen. „In Deutschland könnte es eine ganze Reihe von Bewegungen geben, die auf kleiner Ebene agieren. Die Schrebergärten mitten in Berlin sind ein tolles Beispiel: eine Grünfläche mitten in der Großstadt, in der sich die Alternativszene, Migranten, Schwule und Lesben treffen." Es sind oftmals Menschen vom Rand der Gesellschaft, die nicht viel mehr brauchen, als einen kleinen Garten, um glücklich zu leben.

„Buen Vivir" heißt für Deutsche und Europäer vor allem, darüber nachzudenken, auf welchen Luxus sie verzichten wollen. Vor allem, um begrenzte Ressourcen wie Öl und die Natur als Lebensgrundlage zu schonen. Und, um ein bisschen mehr Gerechtigkeit unter den Menschen herzustellen.

 

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