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vom 22.04.2013

Warnung an sorglose Fleischesser

Credo eines Vortrags in Lüchow: Antibiotika in der Tierhaltung fördern resistente Keime

fk Lüchow. Der Name der Gefahr ist kompliziert. Er lautet MRSA oder ESBL. Nur selten wird er in Alltagssprache übersetzt. Dann lautet er EHEC – Infektion aus Kräutersprossen oder Säuglingssterben in einer Bremer Kinderklinik. Gemeint sind Keime, die gegen gängige Antibiotika immun sind. Sie kommen überall vor. Ein Verbreitungsweg ist die intensive Tierhaltung und die Verwertung von deren Hinterlassenschaft Gülle und Kot. Diese Überzeugung stellte am Freitag der Mediziner Dr. Thomas Fein in Lüchow vor.

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Referent Dr. Thomas Fein (Mitte) demonstriert der ANU-Vorsitzenden Maren Ramm (rechts) und einem anderen Zuhörer seines Vortrags die Übertragung von Resistenz-DNA. Aufn.: K.-F. Kassel

Die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (ANU) aus Lüchow-Dannenberg hatte den Arzt aus Norden eingeladen. Fein ist in seinem Heimatort Vorsitzender einer Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung. Seit Jahren beschäftigt er sich mit der Verbreitung multiresistenter Keime. Was er in Lüchow vortrug, war eine dringende Warnung an allzu sorglose Fleischesser.

Nach einer Studie eines Forschungsverbundes aus RobertKoch-Institut, dem Bundesinstitut für Risikoforschung, der Tierärztlichen Hochschule in Hannover, der Charite in Berlin und anderer Einrichtungen dürfte es in Deutschland keine einzige Geflügelmast geben, die nicht mit solchen Keimen belastet ist. 100 Prozent, so lautet der Befund des Forschungsverbundes für die Hähnchenmast in Sachen ESBL. Dabei handelt es sich um Bakterien, die ein Enzym produzieren, dass die Wirkung vieler Antibiotika laut Fein ausschaltet.

Auch in anderen Tierhaltungen kommen diese Bakterienstämme mit eingeschränkter Bekämpfbarkeit vor, bei Schweinen etwa in 88 Prozent der Haltungen, bei Rindern immerhin noch in 67 Prozent. Die widerstandsfähigen Bakterien finden sich in den Abluftfahnen von Schweine- und Geflügelställen.

Aber ESBL ist nicht allein. 20 Prozent der Hähnchenhaltung ist außerdem mit MRSA belastet. Das Bundesinstitut für
Risikoforschung hat eine 20-fach erhöhte Sterbewahrscheinlichkeit errechnet, wenn dieser Keim in einem Krankenhaus vorkommt. Denn viele Antibiotika bleiben völlig wirkungslos. Das Robert-Koch-Institut hat schon 2009 erklärt, die Resistenzentwicklung habe die Grenzen therapeutischer Möglichkeiten erreicht.

Gefördert wird die Entstehung und Verbreitung dieser Keime durch die Anwendung von Antibiotika in der Tierhaltung. Davon sind die Kritiker der Massentierhaltung überzeugt. Früher wurden Antibiotika sogar zu Mastzwecken eingesetzt. Die Tiere fraßen mehr und nahmen schneller zu. Die Dosierung war niedrig, die Bildung von resistenten 'Keimen wurde ideal gefördert. Das ist seit 2006 verboten.

Doch nach einem Bericht des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2011 lag der Einsatz von Antibiotika in niedersächsischen Ställen vor zwei Jahren trotz des Verbots bei 82 Prozent, in Nordrhein-Westfalen bei mehr als 92 Prozent.

Dabei werden die Mittel zur Infektionsbekämpfung nur kurzfristig eingesetzt. In Niedersachsen dauerte die Anwendung in einem Drittel aller Fälle höchstens zwei Tage, viel zu wenig, um Keime zu beseitigen. Die Anwendung von Antibiotika in der Tierhaltung ist demnach weit verbreitet. An Tiere wurden ein Deutschland vor zwei Jahren 1734 Tonnen Antibiotika verfüttert. Zur Behandlung von kranken Menschen verordneten Ärzte in ihren Praxen lediglich 300 Tonnen.

Einer der wichtigsten Verbreitungswege für Keime und Endotoxine ist nach Feins Angaben der Hühner- und der Schweinekot. Hühnertrockenkot sei nachweislich eine der stärksten Quellen von Endotoxinen, erklärte er. Fein hatte eine gute Nachricht parat: Im Fleisch lassen sich die Keime durch ausreichendes Erhitzen abtöten. In der Luft und auf dem Acker ist das hingegen kaum möglich.

 

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