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vom 09.03.2012

„Weiter so” keine Option

Weltagrarbericht: Hunger trotz bester Ernte

fk Dannenberg. Die Landwirtschaft wird eine zentrale Rolle spielen beim Überleben der Menschheit auf der Erde. Dabei wird es weniger um das „Immer mehr" als um das „Wie" der weltweiten Agrarproduktion gehen. Dieses Fazit aus dem Weltagrarbericht von 2010 stellte einer der Mitorganisatoren des Berichts, Benny Härlin, am Mittwoch in Dannenberg vor. Härlin referierte auf Einladung des Arbeitskreises bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Die Ergebnisse der 500 Wissenschaftler, die den Weltagrarbericht geschrieben haben, widersprechen nach der Darstellung von Härlin den schlichten Mengenkonzepten, wie sie in der Vorwoche beim Bauernverband vorgetragen wurden. Die bloße Gegenüberstellung von Bevölkerungswachstum und Weltagrarproduktion sei falsch, meinte Härlin. Sie sei verbunden mit der Vorstellung, man müsseden Technologievorsprung der ersten Welt nur exportieren, um in Hungerregionen für mehr Nahrungsmittel zu sorgen. Tatsächlich schade solcher Export oft mehr, als er den Hungernden nutze.

Landwirtschaft sei mehr als die Produktion von Nahrungsmitteln, meinte Härlin. Sie sorge für den sozialen und kulturellen Zusammenhalt der Gesellschaften in vielen Teilen der Welt. Sie hat Auswirkungen auf Klima, Wasser und Artenvielfalt. Für die Beseitigung des Hungers müssten alle Aspekte betrachtet werden. Benötigt werde eine „agrarökologische Revolution". Das bedeutet: Außer der landwirtschaftlichen Produktion im engeren Sinn wird das gesamte Ökosystem Agrarlandschaft und seine Auswirkungen auf andere Ökosysteme betrachtet. Mit der Verbesserung der agrarökologischen Kenntnisse bei den Kleinbauern ließe sich deren Produktion innerhalb kurzer Zeit verdoppeln, erklärte Härlindie Ergebnisse des Weltagrarberichts. Dessen Botschaft sei: Der Hunger lasse sich nur vor Ort überwinden. Schon die Frage an die Landwirtschaft der Industrieländer: Wie können wir die Welt ernähren, sei falsch gestellt. Vielmehr spielten die Kleinbauern die entscheidende Rolle. Sie machten 85 Prozent aller Bauern aus. Wichtiger noch als die Männer seien die Frauen. Jeder Dollar, der in den armen Ländern an eine Frau auf dem Lande gegeben werde, sei dreimal so viel Wert wie der an einen Mann gezahlte. Frauen steckten das Geld wirklich in die Verbesserung der Nahrungsmittelproduktion, fanden die Autoren des Berichts heraus.

Dessen Titel lautet: „Die Landwirtschaft am Scheidewege". „Weiter wie bisher ist keine Option," das sei die zentrale Botschaft des Berichts, meinte Härlin. Wenn weiter so viel Kunstdünger verwendet wird wie bisher, wären in 200 Jahren „ganze Ozeane" überdüngt. Der Verlust der Artenvielfalt sei so groß wie zuletzt beim Aussterben der Saurier. Trotzdem gibt es eine knappe Milliarde hungernder Menschen auf der Welt. Dabei brachte das vergangene Jahr die beste Ernte, die es je auf der Erde gab. Die Ernährungseffizienz, also der Grad, in dem die eingesetzte Energie bei der Produktion auch
genutzt wird, liege bei gerade 44 Prozent. Härlin wandte sich gegen die Produktion von Biosprit. Andererseits sei die Abhängigkeit der Landwirtschaft vom 01 ihre größte Achillesferse. Der Anstieg des Ölpreises mache einen guten Teil der Preiserhöhungen für Nahrungsmittel aus. Der Referent legte Wert auf die Feststellung, dass

nicht die Landwirte an der Entwicklung schuld sind. Vielmehr gehe es um die Bedingungen ihrer Produktion. Härlin gehörte zu den von der Weltbank berufenen Organisatoren des Weltagrarberichts. Die Hälfte von ihnen waren Regierungsvertreter. Die andere kam aus Wissenschaft, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen.

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