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vom 30.06.2011

»Weitere Eskalation vermeiden»

Bäuerliche Notgemeinschaft verurteilt Selbstjustiz bei Protest gegen Massentierhaltung

dm Teplingen.  Die Bäuerliche Notgemeinschaft verurteilt die gewaltsamen Auseinandersetzungen um den Bau eines Maststalles in Teplingen. Der Konflikt zwischen den Betreibern und Gegnern solcher Anlagen könne nicht mit Prügeleien auf dem Bauplatz gelöst werden.

»Wir fordern alle unsere Mitglieder und Sympathisanten auf, sich auf keinen Fall daran zu beteiligen», mahnten die Sprecher der Notgemeinschaft, Wolf-Rüdiger Marunde und Carsten Niemann. »Eine weitere Eskalation der Auseinandersetzungen muss unbedingt vermieden werden - im Interesse aller Bauern!» Die Notgemeinschaft rief insbesondere Kreislandwirt Adolf Tebel auf, »kriegerische Aufrufe zu unterlassen und stattdessen zu einer politischen Lösung des Konfliktes beizutragen». Allein auf dem Weg sei es möglich, ihn wieder zu befrieden. Selbstjustiz würde dem Ansehen des ganzen bäuerlichen Berufsstandes schaden.

An die Tiermastgegnerinnen und -gegner appelliert die Bäuerliche Notgemeinschaft, ihre Kritik an Massentierhaltungen an Politik, Agrarindustrie und Supermarktketten zu richten. Adressaten seien beispielsweise der Marktführer beim Geflügelfleisch, das Unternehmen »Wiesenhof», das nun versuche, große Mastställe in unserer Region zu verbreiten, nachdem dies in Westniedersachsen kaum noch möglich sei, aber auch »die Bauernverbände, die das politisch unterstützen, und nicht zuletzt die Discounter, die industriell erzeugtes Geflügelfleisch zu Billigstpreisen vermarkten».

»Die Bauernfamilien sind das schwächste Glied in der ganzen Kette,» betont die Bäuerliche Notgemeinschaft und wirbt um Verständnis für deren Lage. »Einige sehen in der Vertragsmast eine Möglichkeit, ihren Betrieb wirtschaftlich abzusichern. Letztlich treffen sie immer einzelbetriebliche Entscheidungen auf der Grundlage geltender Gesetze», stellten Marunde und Niemann heraus.

Die Auseinandersetzungen um die geplanten Hähnchenmastställe in Teplingen und Schnega seien Ausdruck eines überregionalen gesellschaftlichen Konfliktes, urteilt die Bäuerliche Notgemeinschaft. Die Frage, welche Art von Tierhaltung die Gesellschaft für tolerabel hält und welche für ethisch nicht verantwortbar, gehöre in die öffentliche Debatte. Sie müsse politisch entschieden werden, nicht durch handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen Platzbesetzern und Bauern.

Am Montagabend waren - wie berichtet - Landwirte massiv gegen die Platzbesetzer vorgegangen und hatten das Baugelände geräumt. Dieses Vorgehen ist auch bei den Landtags-Grünen in Hannover auf Kritik gestoßen. »Es ist nicht zu akzeptieren, dass einzelne Landwirte, denen die Argumente ausgehen, Selbstjustiz üben und mit Gewalt gegen friedliche Demonstranten vorgehen», rügte der Grünen-Argrarexperte Christian Meyer. Seine Kollegin Miriam Staudte pflichtete ihm bei: »Der Landkreis Lüchow-Dannenberg ist Vorreiter in der ökologischen Landwirtschaft, das wollen wir uns nicht durch Fehlsubventionen kaputtmachen lassen.»

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