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vom 25.03.2011

»Ein Indikator für Artensterben»

ANU Wendland: Landwirte und Imker sprachen über die »massenhaften Bienenverluste»

dm Lüchow. Der Umweltwissenschaftler Dr. Heribert Wefers sprach sich am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises Natur- und Umwelt (ANU) Wendland für nicht weniger als einen kompromisslosen Umstieg auf ökologische Landwirtschaft aus, um dem »massenhaften Bienensterben», das seit einigen Jahren beobchtet wird, entgegen zu wirken.

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Bild: Auf dem Podium saßen bei der Veranstaltung "Biene - Umwelt - Landwirtschaft" des Arbeitskreises Natur und Umwelt (ANU) unter anderem Imker Peter Thießel (von links), der Umweltwissenschaftler Dr. Heribert Wefers und Berufsimker Marco Otte. Aufn.: D. Boick

Der Biologe und Physiker, der beim BUND angestellt ist, referierte im Lüchower Ratskeller vor zahlreichen Imkern und Landwirten bei der ANU-Veranstaltung mit dem Titel »Biene - Umwelt - Landwirtschaft», bei der hiesige Imker über die Auswirkungen der modernen Landwirtschaft auf die Bienenhaltung berichteten. Zudem sollte der Dialog mit Landwirten über dieses Problemfeld aufgenommen werden, deshalb saßen neben Dr. Wefers, hiesigen Imkern auch Anke Bohnenbuck vom Arbeitskreis junger Landwirte und Henning Harms vom Bauernverband Nordostniedersachsen auf dem Podium.

Für Imker Hermann Klepper, der den Abend moderierte, ist »die Biene der Indikator dafür, wie es in der Umwelt aussieht». Die Bienen hätten in den vergangenen Jahren eine Immunschwäche entwickelt, schilderte der Berufsimker Marco Otte. Er berichtete, dass sich die Zeiten, in denen Bienen keinen Pollen finden, vergrößert hätten. Den Wert der Bestäubung durch Bienen für die Landwirtschaft bezifferte er auf 180 Milliarden Euro.

Peter Thießel, Vorsitzender eines europäischen Imkerverbandes, macht den Einsatz neuer Gifte in Pflanzenschutzmitteln für die zunehmenden »massiven Bienenverluste» seit Mitte der 90er-Jahre verantwortlich. In der EU seien seit 2000 rund ein Viertel der Bienen gestorben, in Deutschland seien die Verluste etwas geringer, informierte Thießel. Die Toxizität der neuen Stoffe - Neonicotinoide - sei erheblich höher als bei den anderen Insektiziden, zudem hätten diese Gifte akute und chronische Folgen auf einzelne Bienen und ganze Völker. Thießel mahnte an, dass die langfristigen Auswirkungen der Mittel besser untersucht werden müssen.

Dr. Heribert Wefers machte für das Bienensterben den Verlust der Artenvielfalt mitverantwortlich, der durch den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen und den vermehrten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verstärkt werde. Honig, der Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen enthält, darf in Deutschland nicht verkauft werden. Das Bienensterben sei ein Indikator für das Artensterben, das sichtbarste Anzeichen. Auch für die Menschen sei die Aufnahme der Gifte riskant. Um das Bienensterben und den Artenverlust aufzuhalten, müsse auf den Einsatz von Gentechnik und bienengefährdender Pestizide verzichtet werden, forderte Dr. Wefers. Alternativ sprach er sich für biologische Schädlingsbekämpfung, Fruchtfolgewechsel und Ökolandbau aus. Zudem sollten Landwirte Ackerrandstreifen nicht nutzen sowie Feldgehölze anlegen und schützen. Außerdem sollten die Bauern beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Folgen für Insekten und die Artenvielfalt berücksichtigen.

Die Landwirte auf dem Podium, Henning Harms und Anke Bohnenbuck, versicherten, dass der Pflanzenschutz als teures Betriebsmittel verantwortlich und nur dann eingesetzt werde, wenn es notwendig sei. Beide sprachen sich für nachhaltiges Wirtschaften aus. Harms unterstrich die Bedeutung von Blüh- und Randstreifen sowie einer breiten Fruchtfolge. Er persönlich verzichte auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Harms betonte, dass die Landschaft in Lüchow-Dannenberg im Vergleich zu anderen Regionen noch relativ naturnah und kleinräumig sei.

 

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