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vom 23.06.2011

»Ökologie ist anstrengend»

Prof. Dr. Angelika Zahrnt stellte ihr Buch über die »Postwachstumsgesellschaft» vor

by Lüchow. So ganz passten Prof. Dr. Angelika Zahrnt und ein Großteil ihres Publikum am Dienstagabend im vollen großen Saal des Lüchower Ratskellers nicht zusammen.

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Bild: Wiedersehen in Lüchow: Prof. Angelika Zahrnt und Anna Gräfin Bernstorff. Die BUND- Ehrenvorsitzende hatte bei der Verleihung des Kant-preises an Gräfin Berstorff im Mai die Laudatio gehalten. Aufn.: Ch. Beyer

Die Ehrenvorsitzende des BUND war auf Einladung von Hermann Klepper - im Namen von attac und dem Arbeitskreis Natur und Umwelt - gekommen, um das von ihr mitherausgegebene Buch vorzustellen, das Klepper so begeistert hatte. »Postwachstumsgesellschaft» heißt es, und der Abend hatte die Überschrift »Jenseits des Wachstums». Damit waren bei vielen der Zuhörenden offensichtlich gro-ße Hoffnungen auf etwas Neues geweckt worden, auf die eine Idee, die Welt besser zu machen, sie zu retten, den Umsturz in Gang zu bringen. Doch Zahrnt ist keine Revolutionärin in diesem Sinne, sie stellt nicht die Systemfrage, sondern sucht nach Antworten innerhalb des kapitalistischen Systems, weil sie glaubt, »dass der Kapitalismus wandlungsfähig genug sein muss».

Sie setzt stattdessen auf viele kleine Schritte, das Bohren dicker Bretter durch engagierte und wissende Bürgerinnen und Bürger, mündige Konsumentinnen und Konsumenten, die durch ihr Verhalten -»Das Private ist politisch» - die nötigen Änderungen in Politik und Wirtschaft bewirken. Das ist einerseits so neu nicht, aber andererseits in Zeiten, in denen niemand einen Hähnchenmaststall in seiner Nähe haben will, aber die Billighühner im Supermarkt dennoch ihre Käufer finden, auch nicht unsinnig, dies noch einmal und immer wieder zu betonen. Als Zahrnt am Dienstagabend davon sprach, die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger zu stärken - und das auch im Gesundheitsbereich durch eine gesundere Lebensführung - brachte ihr das den Vorwurf ein, auf FDP-Linie zu argumentieren. Schlimmer können Linke nicht schmähen. Zahrnt dagegen: Eigenverantwortung zu stärken, sei nicht schlecht, nur weil es auch die FDP sage, in ihrem Konzept einer Postwachstumsgesellschaft brauche diese Eigenverantwortung aber auch mehr Bildung und gesellschaftliche Unterstützung.

Bei der Analyse der Probleme gab es noch keine Missstimmung im Saal. Die bisherige Orientierung am Bruttoinlandsprodukt und das ständige Rufen nach mehr Wirtschaftswachstum habe der Welt viele ökologische, ökonomische und soziale Probleme beschert und sei, wenn es um Lösungen - wie etwa mehr Klimaschutz geht - zu einem Totschlagargument geworden. Für Prof. Zahrnt darf es Wachstum nur noch innerhalb ökologischer Grenzen geben, eine Transformation komme auf jeden Fall, entweder »by design» - und das sei eine Chance - oder »by desaster». Das Ziel müsse ein »Weniger, Besser und Anders» sein, was mit der Abkehr von unserem bisherigen Lebensstil einhergehe. Man könne das Einschränkung und Verzicht nennen. Zahrnt weiß, dass etwa manch einer eine gewisse Zeit brauchen werde, um zu erkennen, dass der Verzicht auf den täglichen Braten am Ende ein Gewinn sein kann, für die eigene Gesundheit und für die Ökologie. Ehrlichkeit sei nötig: »Ökologie ist manchmal anstrengend».

Angelika Zahrnt betonte auch die Bedeutung von Bildung und Konsumverhalten für den notwendigen Wandel. Bildung mache reich, sie müsse um »Aspekte des Könnens und der Lebenskunst» erweitert werden, damit die Menschen - etwa über Selbstversorgung - auch ein Stück mehr Autonomie über ihren Alltag erreichten. Gleichzeitig müssten die Menschen auch mehr in Sachen Partizipation gebildet werden, um mitgestalten zu können. Denn gegen einen unbeweglichen Staat »hilft nur Widerstand». Gleichzeitig ist sie sich sicher, dass die Politik aufnehmen werde, was die Konsumenten vorleben: »Es wird Neues entstehen.» Die Menschen seien Teil des Systems: »Wir haben die Chance es zu verändern - aber das braucht Zeit.»

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