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vom 06.07.2011

Was auf den Teller kommt

Karen Duve las in Lüchow aus ihrem neuen Buch - Kein Knigge für nächsten Restaurantbesuch

ac Lüchow. »Anständig essen. Ein Selbstversuch.

» Der Titel des neuen Buches von Karen Duve klingt wie ein Knigge für den nächsten Restaurantbesuch. »Im Buch geht es aber nicht darum, ob die Ellenbogen beim Essen auf den Tisch gehören oder nicht», machte die Autorin gleich zu Beginn ihrer Lesung im Lüchower »Ratskeller» deutlich. Stattdessen gehe es darum, was auf den Teller komme - moralisch gesehen.

Angesichts der geplanten Hähnchenmastanlagen ist das Thema in der Region aktueller denn je. Das zeigte sich auch daran, dass die Lesung ausverkauft war. Rund 100 Besucher waren gekommen, um sich anzuhören, wie Karen Duves Selbstversuch verlaufen war, dessen Schilderung ihr bereits eine Nominierung auf der Leipziger Buchmesse eingebracht hatte.

Noch vor zwei Jahren hatte die Autorin eine ausgeprägte Vorliebe für die Hähnchen-Grillpfanne aus dem Supermarkt. Sie kaufte Cola und Gummibärchen und gehörte nicht gerade zur Gesundheitsfraktion. Das änderte sich erst, als sie eine neue Mitbewohnerin bekam, die die Rolle ihres personifizierten Gewissens übernahm und stets zeterte, wenn Karen Duve mal wieder zum »Qualfleisch» für 2,99 Euro griff. Dabei musste Karen Duve sich schließlich selbst eingestehen, dass sie in der »Peripherie ihres Bewusstseins wusste, dass die Bedingungen, unter denen dieses Huhn einmal gelebt hatte, wohl eher unfreundlich waren».

Also beschloss sie fortan, nach ihrer Überzeugung zu le-ben und essen. Doch wie sah die aus? Fragen türmten sich auf: Darf man Tiere eigentlich essen? Und wenn Tiere nicht, warum dann Pflanzen? Wo beginnt die menschliche Empathie, und was ist übertrieben? »Auch Bio-Schweine werden nicht totgestreichelt», lautet eine ihrer trockenen Erkenntnisse. Duve ist zunächst der Meinung, dass sie das Recht hat, ein Tier zu schlachten, wenn es ihr sein Leben verdankt. Doch die Argumentation ihrer Mitbewohnerin zieht ihre Logik ins Lä-cherliche: »Wenn ich jemanden vor dem Ertrinken rette, habe ich dann auch das Recht, ihn wieder ins Wasser zu stoßen?»

Das Lesung ist gespickt mit Gesprächen und nachdenklich machenden Momenten, ohne jedoch den Zeigefinger zu erheben. Stattdessen begleitet der Zuhörer eine Frau, die anfängt, sich intensiv damit auseinanderzusetzen, was da eigentlich auf ihrem Teller landet. Die Erlebnisse und die Ergebnisse ihrer Recherchen schildert Karen Duve in einer Mischung aus Betroffenheit und Humor. Zwei Monate ernährte sie sich nur mit Bioprodukten, zwei Monate vegetarisch, vier Monate vegan und zwei Monate frutarisch - mit allen Konsequenzen. Als Vegetarier aß sie kein Fleisch, als Veganer lehnte sie sogar tierische Produkte ab. Als Frutarierin wurde sie noch radi-kaler und ernährte sich nur von pflanzlichen Produkten, bei de-ren Ernte die Pflanze nicht zerstört wird. Karotten und Salat etwa waren also tabu. Dass sich Schwierigkeiten im Alltag er-gaben - etwa beim Restaurantbesuch - könne sich wohl jeder vorstellen, so Duve.

»Ich hatte den Ehrgeiz, am Schluss der jeweiligen Phase perfekt zu sein», sagt Karen Duve, deshalb habe sie die vegane Phase auf vier Monate aus-gedehnt und auch an einer Tier- befreiung teilgenommen. »Manchmal muss man das Richtige tun, auch wenn das deutsche Recht es für falsch hält», kommentierte sie diesen Schritt. Ihr Experiment, den eigenen ethischen Ansprüchen gerecht zu werden, veränderte sie nachhaltig: »Fleisch schmeckt mir nicht mehr. Heute bin ich Vegetarierin mit Orientierung zur veganen Ernährung.»

Bezugsquelle:

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