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vom 04.06.2011

Ja zum Ortolan-Schutz, aber...

Kreis-Umweltausschuss will Biogasanlagenbau bei Zernien und Hitzacker nicht im Weg stehen

rg Lüchow. Den Ortolan als wertvolles Symboltier des Landkreises Lüchow-Dannenberg schützen: Das soll - natürlich nur unter anderem - Ziel künftiger Kreispolitik sein. Darüber waren sich die Mitglieder des Ausschusses für Verbraucher-, Umwelt und Naturschutz auf ihrer Sitzung in Lüchower Kreishaus einig.

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Bild: Der Ortolan wird durch die Zunahme des Maisanbaus bedroht, die der immer neue Bau von Biogasanlagen mit sich bringt. Darüber sind sich Experten einig. Aufn.: R. Groß/J. Maierhofer

Ein entsprechender Antrag fand, und das ist bei Umweltthemen selten, einmütige Zustimmung. In derselben Sitzung befürwortete eine Mehrheit der Ausschussmitglieder nun aber auch noch etwas anderes: Eingriffe in Landschaftsschutzgebiete für den Bau beziehungsweise die Erweiterung von Biogasanlagen. Solche Beschlüsse aber, da sind sich Experten einig, würden eines ganz sicher zur Folge haben: das Aussterben des Ortolans. Denn eine der Biogasanlagen, die neu entstehen sollen, liegt mitten in einem der letzten großen Ortolan-Gebiete. Und herkömmliche Biogas-Produktion verträgt sich überhaupt nicht mit dem Ortolan: Sie rottet ihn, sagen die Experten, aus. Ganz sicher.

Um den Ortolan, einen Singvogel, der in Deutschland praktisch nur noch in Lüchow-Dannenberg und im äußersten Osten Uelzens vorkommt, besser vor diesem Schicksal schützen zu können, will der Landkreis vom Land Niedersachsen mehr Kompetenzen in Sachen Landschaftsschutz haben, beschlossen die Ausschussmitglieder, als es noch um den Tagesordnungspunkt »Ortolan-Schutz» ging. So sollen bei Eingriffen in Landschaftsschutzgebiete künftig zielgerichtete Ausgleichsmaßnahmen erfolgen, soll Geld in Schutzmaßnahmen fließen. Dafür sprach sich der Ausschuss aus. Einstimmig. Und auch dafür, künftig, wenn es um den Bau oder die Erweiterung von Biogasanlagen geht, sich vorher den Rat von Experten zu holen, die bewerten sollen, ob dadurch der Ortolan beeinflusst wird.

Von der Biogasanlage, die bei Zernien entstehen soll (EJZ berichtete), geht nun eine ganz erhebliche Beeinträchtigung für den Ortolan aus. Das sagt Siegfried Spalik, ausgewiesener und mehrfach ausgezeichneter Ortolan-Experte. Er sagte es den Mitgliedern des Ausschusses, erklärte ihnen, dass die Zerniener Biogasanlage durch den mit ihr verbundenen Maisanbau im Drawehn dafür sorgen wird, dass der Ortolan dort verschwindet. Denn der Singvogel brauche, damit er leben, sich ernähren und fortpflanzen kann, Getreidefelder, brauche Kartoffeläcker, könne mit Mais nichts anfangen, werde bei der Grünroggenmahd um den Brut-erfolg gebracht.

Wird in Zernien eine Biogasanlage gebaut, werde der Ortolan aus dem Drawehn verschwinden, erläuterte Spalik den Ausschussmitgliedern. Und wenn das geschieht, sind die Ortolan-Vorkommen im östlichen Uelzen und in Lüchow-Dannenberg so weit voneinander getrennt, dass sie sich nicht mehr austauschen können. Mit der Folge, dass diese Vorkommen über kurz oder lang dann auch verschwinden. Davon zeigten sich die Ausschussmitglieder jedoch offenbar wenig beeindruckt: Lediglich Herrmann Klepper (GLW) stimmte gegen die Entlassung von Flächen, die für den Bau der Zerniener Biogasanlage nötig sind, aus dem Landschaftsschutzgebiet, Elke Mundhenk (Bündnisgrüne) enthielt sich ihrer Stimme, der Rest votierte mit Ja.

»Damit haben sie die Ausrottung des Ortolans beschlossen», sagte Siegfried Spalik. Zumindest im Drawehn. Aber vielleicht auch in ganz Deutschland.

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