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vom 02.07.2011


So gesehen


Es gibt nur Verlierer

Von Detlef Boick

Im eskalierten Konflikt um die Besetzung und die Räumung des Bauplatzes für einen genehmigten Hähnchenmast-stall bei Teplingen gibt es keine Gewinner, sondern nur Verlierer. Da sind zuallererst die Investoren, die Landwirtsfamilie aus Teplingen. Sie wird vermutlich auf den Kosten von mehreren 1000 Euro für den Sachschaden sitzenbleiben, den die über ein Dutzend Besetzer angerichtet haben, als sie die Messpunkte für den Bau des Hähnchenmaststalls und die daneben geplante Biogasanlage zerstört haben. Ganz abgesehen davon, dass die Baustelle nun erneut unter Zeitdruck für den demnächst geplanten Baubeginn vorbereitet werden musste. Zudem haben die Besetzer den Bauern mit einem Steinwurf verletzt und seinen Traktor beschädigt.

Auch die hiesige Polizei kann mit dem Ablauf von Besetzung, polizeilicher Räumung, erneuter Besetzung und Räumung durch Landwirte nicht zufrieden sein. Die Beamten können kaum vermitteln, warum sie nicht dafür sorgen konnten, dass der Investor seine Rechte auf seinem Privatgrundstück wahrnehmen konnte, nämlich zu entscheiden, dass dort kein Protestcamp errichtet wird. Andererseits glauben nun viele Tiermastgegner, dass die Polizei absichtlich zu spät zur Räumung des Bauplatzes durch Landwirte und Dorfbewohner am Montagabend gekommen sei und damit Gewalt gegen die Besetzer des Platzes in Kaufgenommen habe.

Für Landwirte und Dorfbewohner, die für ihren Berufskollegen und Nachbarn den Bauplatz geräumt haben, wird die Aktion sicherlich ein juristisches Nachspiel haben. Sie stehen in der überregionalen Öffentlichkeit als knüppelschwingende Tiermastbefürworter da, die in einem Akt von Selbstjustiz das Recht in die eigenen Hände genommen haben. Gegen die Berufskollegen des Teplinger Landwirtes ermittelt die Polizei nun wegen Landfriedensbruch.

Der überregionale Imageschaden für die Lüchow-Dannenberger Landwirte durch diese Räumung in Eigenregie ist enorm. Später wird man sich nur noch an Selbstjustiz von Bauern erinnern. Dass der Landwirt eventuell sogar rechtlich dazu berechtigt war, sein Grundstück mit Freunden zu räumen, danach fragt schon heute niemand mehr.

Auch die Tiermastgegner, die den Bauplatz am Sonntag besetzt hatten, werden wohl noch oft an diese illegale Aktion erinnert, wenn sie Schadensersatz leisten sollen oder wenn sie wegen Körperverletzung oder Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zur Rechenschaft gezogen werden.

Dem Tierschutz hat diese Besetzung eines Privatgrundstückes sicher mehr geschadet als geholfen. Denn großen Teilen der hiesigen Landbevölkerung ist es nicht als legitimer Protest zu vermitteln, dass eine einzelne Landwirtsfamilie durch solche Aktionen gegen Tiermastanlagen geschädigt wird – zumal das Projekt vom Landkreis genehmigt worden ist. Wer vorher nicht gegen solche großen Mastställe war, den wird auch diese Besetzung des Bauplatzes nicht überzeugt haben. Ihr eigenes Klientel, das die Aktion eventuell befürwortet, brauchen die Tierrechtsaktivisten nicht überzeugen.

Bezugsquelle:

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