Leserbrief der

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vom 11.09.2010

Tier- und Umweltschutz sehen anders aus

Betrifft: Artikel »Keine willkürliche Einschränkung der Landwirte» (EJZ vom 20. August)

Ei, da hat es sich Landvolkpräsident Hilse aber einfach gemacht, als er »Kritik an den neuen Tierställen und Verarbeitungsanlagen» als »rein ideologisch begründet» abtat. Vielleicht ist sein Blick aber auch durch den Umstand getrübt, dass er selbst einen großen Teil seines Einkommens als Betreiber von Großmastanlagen erwirtschaftet.

Nun aber zu seinen Äußerungen im Einzelnen:

1. Während die Ermittlungsgruppe der Polizei berichtet, es gebe noch keine Spur beim Brandanschlag in Sprötze, steht für Hilse fest: »Es handelt sich um bewusste Regelverletzungen einzelner Tierrechtsorganisationen». Anmerkung: Vorverurteilung und Rufmord sind ganz gewiss auch Regelverletzungen.

2. Hilse verweist auf »das umfassende Regelwerk» des Gesetzgebers, »um Tier-, Umwelt- und Naturschutz, aber auch Verbraucherschutz sicherzustellen». Anmerkung: Dieses Regelwerk lässt zu, dass bis 39 Kilogramm, umgerechnet etwa 25 Hühner, pro Quadratmeter gehalten werden können. Die Auswirkungen dieser Tierhaltung sind hinreichend in den Medien gezeigt worden. Tierschutz sieht anders aus.

Nach demselben Regelwerk muss zum Beispiel importierter Hühnerkot spätestens nach drei Tagen eingearbeitet sein. Zwischen Schnega und Spithal liegt so ein stinkender Haufen schon seit Wochen, ohne dass offizielle Stellen eingeschritten wären. Vermutlich gibt es nicht einmal genügend Personal für wirksame Kontrollen. Umweltschutz sieht anders aus.

Vom Gesetzgeber wurde auch der vorbeugende Einsatz von Antibiotika verboten. Nach dem Verbot werden aber noch immer 80 % der ursprünglichen Antibiotikamenge eingesetzt, nun nicht vorbeugend, sondern »zu Therapiezwecken». Die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind bekannt und werden hingenommen. Verbraucherschutz sieht anders aus.

3. Hilse distanziert sich lau von »einzelnen Landwirten, die gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen». Anmerkung: Unter den herrschenden Bedingungen sind Regelverstöße zwangsläufig die Regel, wie man zum Beispiel auch an den Putenmastställen sehen kann, an denen die Familie der Agrarministerin Grotelüschen beteiligt ist.

4. Hilse registriert »eine steigende Nachfrage nach Fleisch», auf die die landwirtschaftlichen Unternehmen reagieren. Anmerkung: Hilse verschweigt, dass diese Nachfrage nicht von den Endverbrauchern kommt. Die produzierten Mengen sind nur unter großen Preisnachlässen im Mark unterzubringen, ein zweistelliger Prozentsatz bleibt unverkauft und wandert in den Abfall.

Wenn Hilse die Kritik an den genannten Fehlentwicklungen als »willkürliche Einschränkung der Landwirtschaft» bezeichnet, dann hat er mehr über sein Demokratieverständis verraten, als ihm lieb sein kann.

Johann E. P. Strauß,
Leisten,
Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt

 

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