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vom 28.03.2010

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Wo sind nur die Feldwege geblieben?

Serie Landwirtschaft: Problem der "verschwundenen" Randflächen

»Moderne Landwirtschaft - Fluch oder Segen?» Mit diesem Motto veranstaltete die Kreis-CDU im Juni in Lüchow eine Podiumsdiskussion.
Die Zuschauer hörten jedoch vom Podium und der Moderation nur etwas über den "Segen", kein Wort über den "Fluch".
Man hat oft den Eindruck diesen Part müssen die Naturschützer, ob nun Behörde oder Ehrenamtliche, übernehmen.
Eines von vielen Beispielen zum Thema "Fluch" ist die Inanspruchnahme und Bewirtschaftung der Feldwegränder oder der Böschungen von Rainen und Gräben.
Immer größere Maschinen in der Landwirtschaft verleiten dazu die letzten kleinen Randflächen mit zu bearbeiten.
Es sind auch Fälle bekannt geworden, bei denen für die solche Flächen, die nicht dem Landwirt sondern der öffentlichen Hand gehören, Subventionen beantragt und kassiert wurden.

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Foto eines Ackers in der Gemeinde Luckau zeigt einen auf 910 Meter völlig zerstörten Feldweg.

Diese Flächen sind die letzten Rückzugsgebiete in der immer intensiver genutzten Landschaft. Vom Aussterben bedrohte Arten sind gerade auf solche Flächen angewiesen.
Schmetterlinge und andere Insekten finden an den dort wachsenden Wildkräutern ihre Nahrung und dienen ihrerseits wiederum als Nahrungsgrundlage für die Vögel und Amphibien. Gleichzeitig ermöglichen diese Randstreifen eine Vernetzung innerhalb der Landschaft. Eine Inselbildung von Lebensräumen wäre von Nachteil für den Erhalt der Arten.
Monokulturen bieten für die meisten Arten, wenn überhaupt, nur spärliche Nahrungsgrundlagen oder unsichere Brutgebiete.

Besonders ärgerlich ist es, dass viele Bewirtschafter aus einer falsch verstandenen "Reinlichkeitssucht", diese Flächen entweder mulchen oder im schlimmsten Falle einfach unter den Pflug nehmen.
Gerade der letzte Winter war ein gutes Beispiel dafür, dass Rehe und Hasen durch die geschlossene Schneedecke in Not gekommen sind und nur an solchen nicht genutzten Flächen wie Wegränder und Hecken mit hohem Bewuchs noch Nahrung finden konnten.
Diese beiden Arten stellen nur einen verschwindenden Bruchteil der Lebewesen dar, die auf solche Randstreifen, unbefestigte Wege und Heckensäume angewiesen sind.
Manch einer der neue Obstbäume gepflanzt hatte, tat es besonders weh, mit ansehen zu müssen, wie die Tiere in ihrer Not dann die Rinde der jungen Bäume fressen mussten.

Gerade deshalb versucht auch die EU, durch Förderprogramme solche wertvollen Ackerstreifen durch Subventionen zu erhalten.
Seit Jahren versuchen die Gemeinden das unrechtmäßige Umpflügen der Wegränder oder ganzer Feldwege in den Griff zu bekommen.
So mancher Tourist, Wanderer oder Reiter findet anstatt eines laut Karte ausgewiesenen Wanderweges einen Acker vor. Er hat dann sowohl den Nachteil, dass der Weg nicht mehr da ist und das Bewusstsein als Steuerzahler über die Subventionen den Landwirt auch noch unterstützt zu haben.

Ein Beispiel ist in Waddeweitz öffentlich geworden. Dort sind auch Gemeindeflächen entlang eines Feldweges dem Pflug zum Opfer gefallen.
Der Gemeinderat musste den Rückzug antreten, weil es die Finanzlage nicht erlaubte im Falle des Rechtsstreites die anteiligen Vermessungskosten tragen zu müssen.
Durch moderne EDV und Luftbildaufnahmen ist dies nun mehr kein Hindernis mehr.

Jüngstes Beispiel solch einer unrechtmäßigen "Landnahme" durch Bewirtschafter benachbarter Äcker ist die Gemeinde Schnega und Luckau.
In der Gemeinde Schnega wurde ein Feldweg mit Hecken auf 360 m vollständig entfernt, das heißt dem Acker gleich gemacht.
In der Gemeinde Luckau wurde ein 910 m langer Grasweg von beiden Seiten großzügig weggepflügt und in den letzten 120 m verschwand der Weg ganz unter dem Pflug.

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In der Gemeinde Schnega wurde dieses Foto aufgenommen, welches einen komplett weggepflügten Feldweg zeigt.

Mittlerweile sind diese Wege wieder zu erkennen und werden doch nicht bewirtschaftet.
Aufgrund dieser Entwicklung kann man hoffen, dass sich ein Bewußtseinswandel einstellen wird.

Die neue Rechtslage wegen des geänderten Naturschutzgesetzes, ermöglicht es nun den Gemeinden und Behörden, diesen Auswüchsen nicht mehr tatenlos zu sehen zu müssen.
Das heißt, man wird sich um die uneinsichtigen "schwarzen Schafen" kümmern, um der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen.

 

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Bearbeitet am: 28.03.2010/ad


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