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vom 19.08.2010

»Das sind schwarze Schafe»

Umgepflügte Wege und Randstreifen: Bauernverband stellt sich vor die Landwirte und die Verwaltung rudert zurück

rg Lüchow. Als der Landkreis im vergangenen Monat ankündigte, künftig schärfer einzuschreiten, wenn Landwirte gemeindeeigene Flächen an Straßen und Wegen umpflügen, sorgte der entsprechende EJZ-Artikel darüber für große Aufregung. »Mein Telefon hat gar nicht mehr aufgehört zu klingeln», sagt Kreislandwirt Adolf Tebel.

 


Bild: Dass es Landwirte gibt, die sich kommunale Flächen durch Unterpflügen aneignen, stellt Kreislandwirt Adolf Tebel gar nicht in Abrede - und wie dieses Foto eines verschwindenden Weges zeigt, wäre das auch zwecklos. Doch, so Tebel, es seien einzelne "schwarze Schafe", und nicht die Mehrzahl der Landwirte. Aufn.: R. Groß

Viele Landwirte hätten bei ihm angerufen und sich darüber beschwert, dass »wieder einmal alle Bauern über einen Kamm geschoren» würden. »Und da muss ich ihnen auch Recht geben», stellt sich Tebel demons-trativ vor seine Landwirte. Zwar wisse er auch, dass es immer wieder vorkomme, räumt er ein. »Einige würden am liebsten in die Straße reinpflügen», sagt Tebel. »Aber», und das sei ihm wichtig, »die, die das machen, dass sind nur einige wenige schwarze Schafe», beteuert er. Und zudem sei es oftmals gar keine Absicht, wenn »mal ein Meter umgepflügt» werde, betont Tebel. »In einigen Fälle passiert das auch schon mal unbewusst.»

»Diejenigen, die das übertreiben, die kennen wir», stellt sich Lemgows Gemeindebürgermeister Horst Kaufmann an Tebels Seite. »Dass von unseren Flächen der eine oder der andere halbe Meter fehlt, da reden wir gar nicht drüber», sagt Kaufmann. Bei größeren Flächen »sprechen wir die Landwirte aber natürlich an, ganz klar». In den meisten Fällen, wenn ein Wegesrand dem Pflug zum Opfer falle, geschehe das in Unkenntnis der Ackergrenze, meint Kaufmann. Vor allem auf jenen Flächen, die oft den Besitzer oder Pächter gewechselt haben, entstünden »oft Irritationen» darüber, wo denn nun die Gemeindefläche ende und der eigene Acker beginne. Und auch beim Landkreis nimmt man nun etwas Abstand von einer rigiden Verfolgung derjenigen, die sich unbefugt in den Besitz gemeindeeigener Flächen bringen. Stattdessen setze man darauf, miteinander zu reden, betont Baudezernent Jürgen Weinhold. Es solle kein »Gegeneinander zwischen Kommunen und Landwirtschaft» entstehen, denn zum einen sei damit niemandem gedient, zum anderen wäre es »ein enormer Aufwand, das hoheitlich durchzusetzen - und das will auch niemand». Von einem gesunden Miteinander hingegen würden beide Seiten profitieren, ist man sich sowohl beim Bauernverband als auch bei den Gemeinden und der Kreisverwaltung einig. Und das ist auch durchaus nachvollziehbar, schließlich kümmern sich in den Gemeinden die Landwirte darum, dass die Seitenstreifen der Wege vom Bewuchs befreit werden - kostenneutral für die Gemeinden, die ansonsten für viel Geld die Bauhöfe bemühen müssten. Und, betont Horst Kaufmann, natürlich wüssten die Landwirte auch, dass die Wegeseitenränder »ja auch die Funktion eines Ausweichstreifens haben, wenn sich auf den schmalen Wegen Fahrzeuge begegnen». Die müssten ja sonst ins Feld ausweichen, und das würde auch kein Landwirt wollen.

Auch bei der unteren Naturschutzbehörde weiß man, dass man auf eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Landwirten angewiesen ist, sagt deren Fachdienstleiter Franz-Joseph Guckeisen. Man erkenne auch die Schwierigkeit, die die Pflege der Grünstreifen für die Bauern bringe. »Sie sollen pflegen, aber sich nichts abknapsen - das ist ein Spagat.» Doch man könne und dürfe nicht außer Acht lassen, dass die Wegeseitenränder »eine vernetzende Funktion haben, sie gehören zum Biotopverbundsystem. Da wachsen seltene Pflanzen, leben bedrohte Tiere». Mit den Landwirten müsse und könne man »vertrauensvoll zusammenarbeiten», sagt Guckeisen. »Es muss miteinander gesprochen werden», und nun, da das Thema in der Öffentlichkeit stehe, sei ein guter Zeitpunkt dafür.

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